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In Dubai gibt es viel Spannendes zu entdecken, 
was das Land und die Menschen betrifft.
Sortiert nach den acht Themen des Legespieles
lässt sich hier schnell herausfinden, was die Kinder
in Dubai gerne essen, worüber sie lachen und warum
die Gummibärchen dort etwas anders sind als hier...

01) „Ich musiziere gern“:  Was den Musikgeschmack betrifft, ist Dubai ein typisch arabisches Land mit viel Sprechgesang, begleitet von Flöten und Trommeln. Aber aus der modernen Musik kann man heraushören, dass Dubais Bevölkerung zu weniger als 30% tatsächlich aus Arabern besteht.
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Seit dem 8. Jahrhundert nach Christus beherrschten verschiedene arabische Fürsten nicht nur Dubai und die anderen arabischen Emirate, sondern teilweise auch den Irak, die Türkei, Ägypten, Algerien, Marokko und Spanien. Mit ihnen verbreitete sich auch die arabische und damit muslimische Kultur und die vielen Kämpfe werden noch heute durch traditionelle Gesangs- und Tanzstücke nachvollzogen. 

In der beliebten „Ayyalah“, zum Beispiel, bilden bis zu 200 Männer zwei gegenüber stehende „Truppenlinien“, die zu Trommeln und Tamburinen tanzen, ihre Schwerter schwingen und abwechselnd Gedichte rezitieren. Bei der vor allem auf Hochzeiten getanzten „Haban“ stehen sich jeweils acht Männer und Frauen gegenüber, die von einer Gruppe von Musikanten angeleitet werden. Der Spieler der Haban, eines arabischen Saiteninstruments, gibt mit der Unterstützung verschiedener Trommler den Takt vor und die Tänzer bewegen sich in Doppelschritten vor und zurück. Berührungen zwischen den Geschlechtern sind nicht erlaubt, unter Männern und Frauen ist es andererseits vollkommen üblich, sich beim Tanzen unterzuhaken oder an den Händen zu fassen.

Aber auch jede Menge andere Arten von Musik sind in Dubais Straßen zu hören. Über 40% der Bevölkerung kommen aus Indien und deren Kinder spielen teilweise natürlich ganz andere Instrumente, wie die berühmte „Sitar“. Außerdem ist Dubai inzwischen nicht mehr nur ein Land des Öls, sondern auch des Tourismus, sodass in den sehr noblen Hotels entlang der Strände von Jumeirah auch klassische und bei Nacht viel westliche Popmusik ertönt.

Arabische Popmusik gibt es natürlich auch. Und obwohl die arabische Kultur von außen betrachtet meist als frauenfeindlich empfunden wird, ist der bekannteste Popstar der Vereinigten Arabischen Emirate eine Frau, nämlich Ahlam Ali Al Ahamsi, kurz Ahlam genannt. In ihren Musikvideos ist übrigens kein einziger Gesichtsschleier zu sehen, aber die Tänzerinnen tragen natürlich auch keine Hot Pants oder tiefen Ausschnitte – so viel Respekt vor der eigenen Kultur muss schon sein – ein Auftritt a la Rihanna wäre für arabische Männer UND Frauen wie ein Schlag ins Gesicht.

02) „Ich esse gern“:  Auch in Dubai essen die Kinder gern Süßigkeiten. Aber einige Leckereien, wie z.B. Gummibärchen, müssen für die Kinder in Dubai ganz anders hergestellt werden.
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Gummifiguren jeder Art werden nämlich aus Gelatine hergestellt. Gelatine wird aber aus den Knochen von Schweinen gewonnen und Schweine sind Tiere, die in muslimischen Ländern auf keinen Fall gegessen werden dürfen, weil sie im Islam als „unrein“, auf Arabisch „haram“, gelten. Deshalb werden die Gummibärchen, die die Kinder in Dubai naschen, mit Fisch- oder Rindergelatine hergestellt und können sich „halal“ nennen, also für Muslime erlaubt. Viel öfter werden in Dubai jedoch arabische Süßigkeiten wie Blätterteigteilchen, Kuchen und Pudding aus Feigen und Nüssen mit Sirup und Honig gegessen. Die typischste Zugabe ist aber die Dattel – eine Palmfrucht, von der sich die Menschen in Dubai seit Jahrtausenden ernähren. Es gibt die unterschiedlichsten Sorten und sie werden nicht nur in Teigwaren verarbeitet, Dattelliebhaber schätzen sie auch als Pralinen, Honig oder Sekt. Geradezu verehrt wird insbesondere die schwarze, besonders süße Agwa, weil ihre Farbe der Kaaba in Mekka gleicht, dem wichtigsten Heiligtum der Muslime. Auf Arabisch heißt Dattel übrigens „Thamar“ und weil sie als so etwas Süßes, Angenehmes und sehr Schönes empfunden wird, tragen auch viele Mädchen diesen Namen. Mit der Besetzung Spaniens haben die Araber im frühen Mittelalter diesen Namen auch nach Europa gebracht. Und selbst in Deutschland heißen viele Mädchen noch heute „Tamara“ – die hübsche Dattel.

Auf Fleisch müssen Muslime trotz vieler religiöser Vorgaben nicht verzichten, im Gegenteil, die arabische Küche bietet eine große Auswahl an marinierten, gegrillten oder geschmorten Fleischgerichten mit Huhn, Lamm, Rindfleisch oder Fisch. Noch größer ist das Angebot an Vorspeisen, von denen immer mehrere gleichzeitig auf den Tisch kommen. Frittiertes, Püriertes und Eingelegtes aus exotisch gewürzten Gemüsearten, Salaten, Bohnen und Körnern wird mithilfe von Fladenbrotstücken aus den Schüsselchen gefischt und landet direkt im Mund. Bei so vielen Verlockungen muss man schon aufpassen, dass für die Hauptspeise noch Platz im Bauch bleibt.

Aber selbst wenn man satt ist, sollte man sich als Gast davor hüten, seinen Teller vor dem Gastgeber geleert zu haben. Er wird nämlich automatisch wieder aufgefüllt, bis der Herr des Hauses mit dem Essen fertig ist. Man lässt also besser ein wenig übrig, wenn man zeigen möchte, dass man satt ist.

03) „Ich male gern“:  Wegen des religiösen Gebotes „kein Bild von Gott selbst und seiner Schöpfung“ zu machen, wird das Malen, wie wir es kennen, von manchen arabischen Familien als Gotteslästerung empfunden.
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Der Islam regelt viel alltäglichere Dinge, als die Zehn Gebote der Christen es tun. Man soll zum Beispiel kein Schweinefleisch essen und keinen Alkohol trinken, man soll fünfmal am Tag beten und davor Hände, Gesicht und Füße waschen, Frauen haben sich durch Kopfbedeckungen und weite Kleider vor den Blicken der Männer zu schützen und jeder ist dazu verpflichtet, Almosen für die Armen zu spenden. Weitere Vorgaben wie „nicht töten, nicht stehlen und nicht ehebrechen“ sind aber auch in der Bibel wieder zu finden und zeigen, dass es bei den meisten dieser Regeln einfach nur darum ging, das Leben miteinander leichter zu machen. Man darf ja nicht vergessen, dass sie entstanden sind, als das Leben der Menschen überwiegend noch ein Kampf ums Überleben war, und wer einmal einen ganzen Tag bei 35° im Schatten ohne Hut in der Sonne unterwegs war, kann sich vielleicht auch ganz gut vorstellen, woher das Gebot der Kopfbedeckung stammt.

Dennoch halten die Muslime an ihren Gebräuchen auch heute noch deutlich stärker fest, als die Angehörigen anderer Religionen. Und das gilt auch für die bildliche Darstellung von Menschen und Tieren, die einstmals streng verboten war. Dafür wimmelt es in der arabischen Kunst aber von fantastischen Ornamenten und wunderschönen Kalligrafien (Schriftbildern), die Paläste und Moscheen zieren. Außerdem ist der Kunstunterricht inzwischen ein fester Bestandteil des Lerninhaltes auf allen Schulen der Vereinigten Arabischen Emirate – es ist also nicht so, dass überhaupt nicht gemalt werden darf. 

Dubai hat durch seinen extrem hohen Ausländeranteil von über 70% noch dazu eine Sonderstellung. Denn es gibt neben den arabischen Schulen auch indische und englische, amerikanische und russische, sowie französische, deutsche und internationale Schulen. Je nachdem, was in dem jeweiligen Land üblich ist, findet hier selbstverständlich auch Kunstunterricht statt. Und da viele Araber in Dubai eigentlich sehr aufgeschlossen sind und ihnen die Ausbildung ihrer Kinder sehr wichtig ist, gehen diese nicht unbedingt auf eine arabische, sondern auf die bestmögliche Schule.

04) „Ich trainiere gern“: Ob es die britische Vormachtstellung in vielen arabischen Ländern war oder der Sport selbst, kann man zwar nicht sagen, aber Fußball ist auch in Dubai die beliebteste aller Sportarten und wird von vielen Jungs mit großer Leidenschaft verfolgt.
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Meistens von Jungs jedenfalls, denn auch die Mädchen und Frauen haben sich ihr Recht auf den Fußball erkämpft und es gibt mittlerweile sogar eine Frauenfußballmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch sonst sieht man erstaunlich viele junge Frauen, die irgendeinem Sport nachgehen – in Kopftuch, einem möglichst weiten Gewand und langen Hosen natürlich, wenn sie aus einer gläubigen muslimischen Familie kommen. Mädchen wie Jungen spielen Basketball, Tennis und Rugby. Sie boxen, kicken, schwimmen oder spielen Golf. Nur tun sie es eben getrennt voneinander, was ja sogar bei uns nicht ganz unüblich ist.

Der Stadtstaat hat außerdem eine unglaubliche Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten zu bieten, mit der kaum ein anderes Land mithalten kann. Neben einem supersauberen Strand gibt es riesige Badelandschaften, Sportstadien und die größte überdachte Skihalle der Welt. Überhaupt scheint in Dubai alles so groß und fantastisch wie nirgendwo sonst: Die „Sports City“ beherbergt zum Beispiel gleich vier ineinander greifende Sportarenen und sieben Sportakademien, der „Burj Khalifa“ ist mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt und die größte künstliche Insel der Welt, genannt „The Palm“, liegt ebenfalls vor Dubai. Ihren Namen trägt sie, weil sie in Form einer Palme angelegt wurde, wodurch sie Dubais Strände um ganze 100 Kilometer verlängert hat.

Genau das war übrigens der Zweck der Insel, denn es strömen immer mehr Touristen in die Stadt, um den Luxus dort zu genießen. Und das heißt natürlich auch ein „Zimmer mit Blick aufs Meer“ für möglichst jeden. Der regierende Emir Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum hat die Insel also bauen lassen, weil der Tourismus einmal das Öl als Geldquelle ersetzen soll. Das Öl war für den Wüstenstaat lange Zeit das Einzige, was ihn für andere Länder interessant machte, aber auch Ölquellen versiegen irgendwann und darauf will man vorbereitet sein.

Das Meer bietet den Einheimischen und Sportlern aus aller Welt jede Menge Gelegenheit sich auszutoben. Jet-Ski und Kiting sind sehr beliebt, viele Einwohner haben Motor- und Segelboote. Ähnlich spritzig kann es aber auch in der Wüste zugehen, und zwar beim „Dune Bashing“, einem abenteuerlichen Spaß, bei dem der Fahrer mit einem Jeep über die Sanddünen rast und alle Insassen ordentlich durchgeschüttelt werden.

Traditionell arabische Sportarten sind dagegen die Kamel- und Pferderennen. So ist denn auch das jährliche Pferderennen in Dubai dasjenige, bei dem es die wertvollsten Preise abzuräumen gibt. Bei den Kamelrennen geht es dafür sehr viel emotionaler zu. Kamele waren früher einmal der größte Schatz eines arabischen Mannes und noch heute finanzieren viele prominente Scheichs die Rennen und die Haltung der Tiere. Ca. 14.000 Rennkamele gibt es derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten und alle wollen gehegt und gepflegt werden.

Eine weitere typisch arabische Freizeitbeschäftigung wird allerdings ausschließlich von Mädchen und Frauen betrieben: Der Bauchtanz! Nach allem was man von arabischen Frauen nicht sehen darf, überraschen dieser Tanz und die Kleidung, die wir damit verbinden. Aber er war auch nie dazu gedacht, Männer zu unterhalten, die Frauen tanzten und tanzen noch heute zumeist unter sich. Außerdem tanzen sie nicht in durchsichtigen oder bauchfreien Sachen so wie es professionelle Bauchtänzerinnen in westlichen Ländern tun.

05) „Ich lerne gern“:  Schon die Anzahl der Computer in Dubais Schulen beweist, dass das Land im Vergleich zu anderen muslimischen Staaten sehr modern ist, was die Bildung angeht.
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Das Schulsystem aller Länder der Vereinigten Arabischen Emirate sieht vor, dass sich in Grundschulen fünf Kinder einen Computer teilen, in weiterführenden Schulen zwei Kinder und in Universitäten soll sogar jeder einzelne Student einen Computer zur Verfügung haben. Andererseits beginnen schon Erstklässler mit Fächern über die arabische und islamische Kultur, denn der Islam ist Staatsreligion und ein Leitfaden für das ganze Leben. Und weil der Islam den Gehorsam gegenüber Eltern und anderen Erwachsenen sehr stark betont, sind Schüler generell sehr brav und fleißig.

In den unzähligen Privatschulen in Dubai sieht das sicherlich ganz ähnlich aus, schließlich müssen die Eltern für diese Schulen sehr viel Geld bezahlen und erwarten dementsprechend viel von ihren Kindern. Wie bereits beschrieben, gibt es in Dubai einen extrem hohen Ausländeranteil und daher auch Schulen für Inder, Perser, Briten, Amerikaner und natürlich Deutsche. Sie folgen den Lehrplänen der jeweiligen Länder, damit die Kinder jederzeit die Möglichkeit haben, auf eine Schule ihres Heimatlandes zu wechseln oder dort zu studieren.

Die arabischen Kinder in Dubai gehen mindestens bis zur sechsten Klasse zur Schule. Da Dubai ein sehr reiches Land und die Schulbildung auf öffentlichen Schulen wie bei uns kostenlos ist, machen aber fast alle, auch die Mädchen, einen Schulabschluss auf einer weiterführenden Schule. Trotzdem findet der Unterricht von Jungen und Mädchen aufgrund des Islam getrennt statt. Alle haben jedoch je nach Alter die gleichen Fächer: Arabisch, Religion, Mathe, Wissenschaften, Sozialkunde und Sport. Schulfrei ist am Freitag und Samstag – der Sonntag ist in muslimischen Ländern kein Feiertag. 

Egal auf welcher Schule man ist, man lernt neben der Muttersprache immer auch Englisch, weil das bei so vielen Nationalitäten die Sprache ist, mit der man sich am besten verständigen kann. Aber auch Urdu, Hindi, Malaysisch und Bengalisch sind wegen der großen Zahl der Einwanderer und Gastarbeiter sehr weit verbreitet. Dubais Schüler sind also bestens auf ein modernes, multikulturelles Leben vorbereitet, weil sie es gewohnt sind, ihr Land mit vielen unterschiedlichen Menschen zu teilen. Nach 12 bis 13 Jahren intensiven Lernens haben sie zudem gute Chancen auf eine Weiterbildung und einen guten Job, obschon auch hier die Sharia, die heiligen Gesetze des Islam, Anleitung dazu gibt, was Mädchen und Jungen einmal werden sollten. Mädchen nämlich sollten sich Berufe aussuchen, die „ihrer weiblichen Natur“ entsprechen. Gläubige Musliminnen findet man deshalb hauptsächlich in sozialen Berufen wie Kinderpflegerin, Lehrerin, Krankenschwester oder Ärztin – wenn sie als verheiratete Frauen später überhaupt arbeiten müssen. Denn eigentlich hat der muslimische Mann für seine Frau zu sorgen. Aber das sind selbst für Dubais arabische Bevölkerung schon eher altertümliche Ansichten.

06) „Ich lache gern“:  Die Regeln der Sharia, der muslimischen Vorschriften für das tägliche Leben, mögen einem sehr ernst vorkommen, aber das Lachen verbieten sie absolut nicht. Es kommt einfach nur darauf an worüber …
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Selbst der Prophet Mohammed wird in den heiligen Schriften des Islam als Mann mit großem Sinn für Humor und einem freundlichen Wesen beschrieben. Jemandem zum Lächeln zu bringen, gilt im Islam als gute Tat, die einen dem Paradies näher bringt. Wobei natürlich darauf geachtet wird, dass sich niemand über den Islam selbst lustig macht. Auch die Verwandtschaft ist bei manchen noch tabu und man macht lieber Witze über sich selbst statt irgendjemand anderen zu kränken. Aber im Kreis von Freunden und Familie ist man auch in Dubai weniger vorsichtig und lacht viel und gerne über alles Mögliche, von der Politik über die Prominenz bis hin zum nächsten Nachbarn.

Kinder haben auch dort einen ganz anderen Geschmack für Witze als die Erwachsenen, aber generell lieben sie es zu lachen und sich gegenseitig zum Lachen zu bringen – genau wie bei uns. Überall und bei jeder Gelegenheit wird nach Herzenslust herumgeulkt und Schabernack getrieben, was von Eltern und Bekannten mit viel Geduld und häufigem Mitschmunzeln „ertragen“ wird.

Eine besonders gute Gelegenheit, um so richtig ordentlich zu albern und zu schwatzen, ist der Freitag, der erste Tag des muslimischen Wochenendes. Viele Familien treffen sich zum Brunch in den zahlreichen Restaurants und Hotels der Stadt, um lange und ausgiebig zu schlemmen. Familie bedeutet für Araber jedoch nicht nur Eltern und ihre Kinder, sondern auch Großeltern, Enkel, Tanten, Onkels, Schwager, Schwägerinnen, Cousins und Cousinen sind mit von der Partie. Wer mit so vielen Personen essen geht, muss natürlich vorbestellen – und zwar mehr als nur einen Tisch. Zu solchen Anlässen geht es laut und ausgelassen zu. Den größten Spaß haben dabei die Frauen und Kinder, denn es wird geradezu von ihnen erwartet, mit allerlei Witz, Gelächter und Tratsch ordentlich die Stimmung anzuheizen. Die Männer halten sich in so einem Kreis eher zurück, hören zu und lächeln, ohne großartig zum Geschehen beizutragen. Gleiches gilt für ältere Jungs, da sie sich auf den Ernst des Lebens als Familienvorstand vorbereiten müssen. Samstags erholt man sich dann vom Freitag und sonntags geht man in Dubai wieder arbeiten.

Darüber hinaus gibt es auch in der arabischen Kultur lustige Helden und Witzfiguren, über die Groß und Klein lachen können. Geschichten über den schlauen Joha, zum Beispiel, gibt es schon seit dem 10. Jahrhundert und es kamen immer mehr hinzu. Hier sind ein paar davon:

Joha saß am Ufer eines Flusses, als ein Mann von der anderen Seite herüber rief: 

„Hey, wie komme ich rüber?“

„Wieso?“, fragt Joha, „du bist doch schon drüben!“


oder


Eines Tages lieh sich Joha eine Pfanne von seinem Nachbarn. Ein paar Tage später gab er sie zusammen mit einer etwas kleineren Pfanne zurück.

„Was soll das?“, fragte da der Nachbar.

„Oh, deine Pfanne hat ein Baby bekommen, als sie bei mir war!“, antwortete Joha.

„Wie schön!“, freut sich der Nachbar.

Die Woche darauf lieh sich Joha beide Pfannen aus, brachte sie aber nie zurück. Irgendwann kam der Nachbar und verlangte seine Pfannen.

Joha sah ihn traurig an und sagte: “Oh, es tut mir sehr leid, aber sie sind gestorben.“

„Was?“, schrie der Nachbar, „Pfannen können doch gar nicht sterben!“

Und Joha antwortete: „Ah, aber Babys können sie kriegen, ja?“
 

oder

Joha saß in einem Teehaus, als ein Freund ganz aufgeregt herein kam und sagte: „Joha, ich werde heiraten und bin ja so aufgeregt! Hast du jemals darüber nachgedacht zu heiraten?“

„Oh, ja, ich habe natürlich darüber nachgedacht! Als ich noch jung war, wollte ich sogar unbedingt heiraten und machte mich auf die Suche nach der perfekten Ehefrau. Als erstes reiste ich nach Damaskus und fand eine wunderschöne Frau, die anmutig, liebevoll und sehr gläubig war. Aber sie wusste nichts über die Dinge des täglichen Lebens. Ich reiste weiter nach Isfahan und fand eine Frau, die gleichzeitig gläubig aber auch sehr patent war und noch dazu sehr schön. Aber wir verstanden uns nicht sehr gut. Dann ging ich nach Kairo und nach langer Suche fand ich sie endlich. Eine Frau, die gläubig, anmutig und in jeder Hinsicht wunderschön war, zuhause in dieser Welt, aber offen für das, was danach kommen mag. Ich hatte die perfekte Ehefrau gefunden!“

Sein Freund hakte nach: „Und warum hast du sie dann nicht geheiratet, Joha?“

„Ach“, sagte Joha und schüttelte traurig den Kopf, „unglücklicherweise war sie auf der Suche nach dem perfekten Ehemann!“

07) „Ich schmuse gern“:  „Ein Haus mit vielen Lampen aber ohne Kinder ist dunkel“ besagt ein altes arabisches Sprichwort und beschreibt damit den hohen Stellenwert, den Kinder in arabischen Familien einnehmen.
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Auch ein arabisches Kind wächst heutzutage in einer typischen Kleinfamilie mit Eltern und zwei bis drei Kindern auf, aber seine Beziehung zu den Verwandten ist sehr viel stärker als in Westeuropa üblich. Denn traditionell übernehmen nicht nur die Eltern Verantwortung in der Betreuung und Erziehung der Kinder, auch Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten usw. spielen eine große Rolle und das Kind kann sich mit seinen Wünschen und Problemen an sie wenden. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit bekommt es, wird verhätschelt und liebkost. Umarmen, Streicheln und Schmusen sind also völlig üblich, auch vonseiten der Väter, obwohl die Männer eines Haushalts das Sagen haben und deshalb sehr streng erscheinen können.

Während arabische Männer und Frauen in Dubai ihre Liebe zueinander nie auf offener Straße zeigen würden, und es auch nicht dürfen, ist die Zuneigung zu Kindern allgegenwärtig, die Familie und der Freundeskreis sind den Jüngsten gegenüber nachsichtig und gütig. Was aber nicht heißt, dass die Kinder nicht hören müssen und keine Pflichten hätten. Dubais Kinder haben es dabei deutlich besser als der Nachwuchs arabischer Familien in ärmeren Ländern des Nahen Ostens. Dort müssen sie schon früh im Haushalt helfen, mit auf die Felder gehen oder eine andere Arbeit verrichten, damit mehr Geld ins Haus kommt.

Dubai aber ist eine sehr moderne und sehr reiche Stadt, in der Kinder generell sehr behütet und mit viel Zeit für Schule und Spiel aufwachsen.

08) „Ich spiele gern“:  Es ist auch in Dubai schon sehr lange her, dass Kinder sich mit dem zum Spielen begnügten, was sie vor ihrer Haustür fanden. Stöcke, Lumpen, Muscheln und Steine regen zwar noch heute die Fantasie an, aber der Computer ist ebenfalls allgegenwärtig. 
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Als hoch technologisierter Stadtstaat bietet Dubai seinen Kindern alles, was in einem modernen Land zu ihrem Vergnügen beiträgt. Neben unzähligen Sportschulen gibt es sogar deutlich mehr Vergnügungsparks und Indoor-Spielplätze als in den meisten Ländern der Welt. Ein Einkaufszentrum hat sogar eine ganze Kinderstadt errichtet, wo man ein Flugzeug fliegen oder einen Bus fahren kann, in einem Restaurant arbeitet oder sich als Polizist, Krankenschwester oder Radiomoderator versucht. Zudem gibt es viele Geschäfte, die Spielwaren aus Europa, Asien und Amerika anbieten, sodass die Regale der Kinderzimmer in etwa genauso bestückt sind wie bei uns.

Trotz all des Überflusses sieht man hin und wieder Kinder, die traditionell arabischen Spielen nachgehen, wie zum Beispiel dem „al Qabba“. Dabei versuchen die Jungen zwei gegnerischer Mannschaften mithilfe eines langen Stocks ein kleineres Stück Holz möglichst lange in der Luft zu halten und so weit wie möglich vom Startpunkt weg zu schlagen. Dies geschieht abwechselnd und in jeder Runde erhält der bessere Spieler einen Punkt. Waren alle Spieler an der Reihe, werden die Punkte gezählt und der Sieg geht an die Mannschaft mit den meisten Punkten.

Eine weitere leider aussterbende Tradition ist das Erzählen von Geschichten. Früher einmal gab es in Dubai und allen anderen arabischen Ländern professionelle Märchenerzähler, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten, volkstümliche Fabeln, Heldensagen und Gedichte vorzutragen. Eine wunderschöne Art, sich die Zeit zu vertreiben, wenn es draußen zu heiß oder schon dunkel ist. Heute entgehen die Kinder der Sonne, indem sie am Computer oder an der Spielkonsole sitzen – wenn sie nicht gerade mit ihren Müttern in einer der großartigen Shopping Malls einkaufen gehen oder den viel typischeren Souk besuchen. In Dubais Altstadt gibt es neben den Märkten für die generellen Nahrungsmittel und Haushaltswaren sogar besonders spannende Basare, wie den Gold Souk, den Parfum Souk oder den Gewürz Souk. Auch diese sind durch große Stoffsegel vor der Sonne geschützt und es herrscht dämmriges Zwielicht, in dem sich herrlich Verstecken spielen lässt.

So sind alle Bereiche des Lebens in Dubai von zwei Dingen geprägt: der arabisch-muslimischen Kultur und den technischen Errungenschaften unserer Zeit. Lehmhäuser wurden von Hochhäusern verdrängt, Kamele von vollklimatisierten Autos, Holzfigürchen von Gameboys. In Dubai kann man aber sehen, dass sich Tradition und Moderne durchaus vertragen können und der Fortschritt nicht unbedingt eine Bedrohung für die Religion sein muss, wie in so vielen anderen muslimischen Ländern befürchtet.

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